Kinder an die Macht!

Pia Schellhammer besucht Kinderparlament der Grundschule Gau-Odernheim

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Pia besucht das Kinderparlament der Grundschule  Gau-Odernheim

Über alle wichtigen Dinge entscheidet in der Grundschule Gau-Odernheim das Kinderparlament mit. Dieses Jahr hat die Schule für dieses Konzept sogar den Deutschen Schulpreis der Robert-Bosch-Stiftung erhalten. Und so ging es bei der heutigen Sitzung darum, wie das Preisgeld des Schulpreises verwendet werden soll. Die SchülerInnen sind sehr stolz, dass ihre Schule den begehrten Preis gewonnen hat. Sie  haben auch in dieser Frage viele gute Ideen und können so ihren Alltag mitgestalten. So schlagen die SchülerInnen vor, von dem Geld ein Baumhaus oder eine Kakaomaschine zu kaufen, andere wünschen sich noch mehr Spielgeräte auf dem Schulhof. Das Erleben der Teilhabe an demokratischen Entscheidungsabläufen führt nicht nur zu größerer Akzeptanz dieser Strukturen sondern auch zu mehr Selbstsicherheit und großer Vertrautheit
mit vielfältigen Methoden wie Präsentation und Moderation – davon kann sich jedeR durch einen Besuch im Kinderparlament überzeugen.

Seit sechs Jahren ist das Kinderparlament wie auch die Schulversammlung, an der alle Mitglieder der Schulgemeinschaft teilnehmen, ein elementares Entscheidungsinstrument der Schulgemeinschaft. Dies beeinflusst nicht zuletzt das gute Lernklima. Wenn die Kinder als gleichwertige Partner bei der Entscheidung ernst genommen werden, wollen sie mitbestimmen und gestalten. Beispielsweise wurde im letzten Jahr ein Spielzeug-Mitbring-Tag in die Planung aufgenommen, der auch in pädagogischer Hinsicht fruchtbar gemacht werden kann.

Die Lehrerin Frau Kayser hilft direkt nach der Wahl der VertreterInnen im Kinderparlament erst einmal bei der Moderation und beim Protokollieren, später sind die SchülerInnen  dann auf sich gestellt – und meistern diese Aufgabe mit großer Begeisterung. Die SchülerInnen werden mit ihrer Meinung ernst genommen und sind im Umkehrschluss auch mit ebensolcher Ernsthaftigkeit bei der Sache. Sie identifizieren sich mit den Ergebnissen der Diskussionsprozesse und dadurch interessieren sie sich viel stärker für den politischen Prozess, was bei dem heutigen Besuch auch deutlich wurde.

Dies ist mit hohen Anforderungen an die Lehrerschaft verbunden. Denn die SchülerInnen werden zwar eigenständiger, aber auch fordernder. Sie beginnen, Dinge zu hinterfragen und eigene Wünsche zu äußern. Diese Anliegen dann sowohl ernst zu nehmen als auch mit dem Bildungsauftrag zu verbinden ist eine hohe Kunst und für die Pädagoginnen und weitaus „unbequemer“ als die klassischen starren Strukturen. Doch die SchülerInnen sind entsprechend motivierter und mit Freude bei der Sache.

Und die SchülerInnen erleben auch, dass demokratische Entscheidungen nicht immer alle zufrieden stellen können. Beispielsweise konnten sie sich im letzten Jahr mit dem Anliegen einer umfassenden Übernachtungsparty in der Schule nicht durchsetzen, da es für kleinere Gruppen – in diesem Fall die Lehrerschaft – auch ein Vetorecht gibt. Durch solche Mechanismen wie dieses Vetorecht in grundlegenden persönlichen Belangen lernen Kinder eine Menge, vor allem und aber auch: die
begründete Meinung des anderen anzuerkennen.

Diese Elemente sind letztlich die Grundlagen unserer demokratischen Kultur – und wäre es nicht wunderbar, wenn die Begeisterung, mit der sie sich für Baumhäuser und Kakaoautomaten einsetzen, sich in der Beteiligung am politischen Prozess weiter fortsetzen würde?

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