Energie in Bürgerhand: Diskussion zu Energiegenossenschaften

Podiumsdiskussion „Energie In Bürgerhand – Demokratisierung der Energieversorgung“ am 09. März 2012 war ein voller Erfolg.


Die Experten Ernst-Christoph Stolper (Staatssekretär Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung Rheinland-Pfalz), Dr. Bernhard Braun, Energiepolitischer Sprecher der grünen Landtagsfraktion, Freiherr von Blittersdorff (Projektentwickler für Energiegenossenschaften, „Energiewende jetzt“), Thomas Pensel (Aufsichtsratsmitglied der Urstrom Bürgerenergiegenossenschaft Mainz eG), Christoph Zeis (EDG Rheinhessen-Nahe mbH) informierten die zahlreichen Gäste über die aktuellen Möglichkeiten zur Gründung einer Energiegenossenschaft in unserer Region. Hier folgt der Bericht zur VeranstaltungDurch die aktuellen Kürzungspläne der Bundesregierung sind auch in unserer Region Arbeitsplätze gefährdet, die Landesregierung wird sich jedoch im Bundesrat gegen die Kürzungen und für einen konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien einsetzen. Ziel ist es bis zum Jahr 2030 durch Windkraft, Photovoltaik, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie 100% Strom aus Erneuerbaren Energien in Rheinland-Pfalz zu erzeugen wobei das Verfünffachen der Stromerzeugung aus Windkraft auf 2 % der Landesfläche angestrebt wird. Hierbei spielen die vorhandene Windhöffigkeit und der Flächennutzungsplan eine entscheidende Rolle bei der Standortwahl.

Die Landesregierung unterstützt die Gründungen von Energiegenossenschaft durch die Förderung der Schulung von Projektentwicklern und Weiterbildung. Akteure können sich durch die „Landesarbeitsgemeinschaft BürgerEnergieGenossenschaften“ besser vernetzen. Die Landeszentrale für Umweltaufklärung bietet ein Weiterbildungsprogramm „Projektentwickler für Energiegenossenschaften“ der Ev. Kirche/Pfalz und innova eG an.
Somit sind bereits 15 Neugründungen von Energiegenossenschaften durch ausgebildete Projektentwickler entstanden, auch hier in Rheinhessen. Bisher wurden durch „Energiewende jetzt“ 90 Projektentwickler ausgebildet und weitere 127 möchten sich qualifizieren.
Zusätzlicher Service und Beratungsleistung wird durch die neue Energieagentur in Rheinland-Pfalz ab Juli 2012 angeboten werden. Die Einrichtung einer regionalen Energieagentur in der Verbandsgemeinde Nierstein-Oppenheim würde das Beratungsangebot vor Ort enorm verbessern.

Trotz der Bestrebungen der Bundesregierung die Energiewende zu bremsen will die rheinland-pfälzische Regierung die Energiewende voranbringen und fordert alle BürgerInnen auf sich für die Energiewende stark zu machen. 70 % der Bevölkerung ist PRO Energiewende und ist bereit mehr Geld für Erneuerbare Energie zu zahlen.

Im Moment werden in der Verbandsgemeinde Nierstein-Oppenheim ca. 20 % der verbrauchten Energie durch erneuerbare Energien abgedeckt wobei noch erhebliches Ausbaupotenzial vorhanden ist. Um dem Ziel einer unabhängigen Energieversorgung näher zu rücken, müssen auch bei uns vor Ort verstärkt Maßnahmen ergriffen werden. Durch eine Energiegenossenschaft wird eine Region nicht nur wirtschaftlich gestärkt. Die aktive Beteiligung von BürgerInnen und eine Mitgestaltung in der Genossenschaft machen den Erfolg möglich, denn das Engagement der Beteiligten ist sehr hoch. So wird ein Beitrag zur Energiewende durch Bürgerbeteiligung geleistet. Die Energieversorgung wird dezentralisiert und demokratisiert.

Wichtig bei der Gründung einer Energiegenossenschaft sind z.B. folgende Punkte:

  • Die Erstellung eines Wirtschaftsplans erfordert viel Zeit, da dieser mehrfach wegen Änderungen des EEG angepasst werden muss.
  • Für Photovoltaik sollte eine mindest Dachfläche von 300 qm zur Verfügung stehen um eine Mindestleistung von 80 kWP zu erzielen.
  • Zu Beginn der Gründung sind wenige Mitglieder ausreichend, erst später sollte die Anzahl erweitert werden um die Organisation zu vereinfachen.
  • Am Anfang müssen Dachflächen noch akquiriert werden doch später bieten Interessierte ihre Dachflächen selbsttätig an.
  • Ein Blick in das neue Solarkataster für Mainz-Bingen kann die Suche nach geeigneten Dachflächen ebenso erleichtern.
  • Beispiel: Die Urstrom eG hat bereits 62 Mitglieder und verfügt über ein gezeichnetes Kapital von 100.000 Euro, der Eigenkapitalanteil beträgt 30 % der Fremdkapitalanteil 70 % damit wird eine Rendite von 3 % erwirtschaftet.
  • Einige eGs haben in 3 Jahren insgesamt 70 Anlagen erfolgreich in Betrieb.
  • Außerdem ist die Akzeptanz gegenüber Energiegenossenschaften in der Bevölkerung ist sehr hoch.

Auch die Verbandsgemeinde Nierstein-Oppenheim kann das Ziel 100 % Erneuerbare Energie durch Windkraft, Photovoltaik und Biomasse erreichen. Hier bietet sich die Konversionsfläche auf dem Gelände der ehemaligen Dexheimer Kaserne an. Die Nutzung der Konversionsfläche für erneuerbare Energien wird allerdings durch die Politik vor Ort boykottiert, wie Staatssekretär Ernst-Christoph Stolper erläuterte.

Wer sich für die Gründung einer Energiegenossenschaft in der Verbandsgemeinde Nierstein-Oppenheim interessiert, kann sich unter folgender E-Mail Adresse registrieren lassen: region(at)pia-schellhammer.de


Kommentar verfassen

Artikel kommentieren

Verwandte Artikel